ISO Survey 2025: Informationssicherheit wächst mehr als dreimal so schnell wie Qualitätsmanagement
ISO Survey 2025: Informationssicherheit wächst mehr als dreimal so schnell wie Qualitätsmanagement
Die ISO Survey 2025 ist veröffentlicht. Ihr Ergebnis: ISO 9001 bleibt die Basis – das Wachstum aber findet bei Informationssicherheit, Energie und Compliance statt. Wir haben die Zahlen für Sie ausgewertet, mit Blick auf Deutschland und mit einem kritischen Blick auf die Datenlage.
Die Zahlen auf einen Blick
Die ISO Survey erfasst jährlich die gültigen akkreditierten Zertifikate für ausgewählte Managementsystemnormen; Stichtag der aktuellen Ausgabe ist der 31. Dezember 2025. Die Daten stammen überwiegend aus IAF CertSearch, der weltweiten Datenbank akkreditierter Zertifizierungen. Beteiligt sind 80 von 81 einbezogenen Akkreditierungsstellen und 2.574 Zertifizierungsstellen.
- ISO 9001 (Qualität): 1.611.729 Zertifikate an 2.419.972 Standorten
- ISO 14001 (Umwelt): 739.390 Zertifikate
- ISO 45001 (Arbeitsschutz): 599.532 Zertifikate
- ISO/IEC 27001 (Informationssicherheit): 125.622 Zertifikate
- ISO 50001 (Energie): 47.394 Zertifikate
ISO 9001 bleibt mit großem Abstand die meistzertifizierte Managementsystemnorm der Welt. Rund 42 Prozent aller ISO-9001-Zertifikate entfallen allein auf China.
Wo das Wachstum stattfindet
Gegenüber dem Vorjahr wächst ISO 9001 um 9,3 Prozent. ISO/IEC 27001 legt dagegen um 29,9 Prozent zu – mehr als dreimal so schnell. Noch deutlicher wachsen Anti-Korruptions-Managementsysteme nach ISO 37001 (+85,4 Prozent) und Business Continuity nach ISO 22301 (+36,7 Prozent), allerdings von einer deutlich kleineren Basis. Energiemanagement nach ISO 50001 wächst um 23,2 Prozent. Die Survey selbst nennt keine Ursachen. Eine naheliegende Erklärung sind die steigenden Anforderungen an die Informationssicherheit – aus der Regulierung, etwa der EU-NIS2-Richtlinie, und aus den Lieferketten. Immer mehr Auftraggeber verlangen von ihren Lieferanten einen belastbaren Nachweis.
Deutschland im internationalen Vergleich
Mit 52.404 ISO-9001-Zertifikaten liegt Deutschland weltweit auf Rang 4 – hinter China, Indien und Italien. Bei ISO 50001 belegt Deutschland mit 10.544 Zertifikaten Rang 2; nur China weist mehr aus. Bei Medizinprodukten (ISO 13485) folgt Rang 5, bei Umwelt- und Informationssicherheitsmanagement jeweils Rang 8.
Auffällig hoch sind die für Deutschland ausgewiesenen Zuwächse: +50,0 Prozent bei ISO/IEC 27001, +61,6 Prozent bei ISO 50001, +14,0 Prozent bei ISO 9001. Hier lohnt ein zweiter Blick.
Zur Datenlage: Warum die deutschen Zuwächse mit Vorsicht zu lesen sind
- Die ISO weist für Deutschland in beiden Jahren auf Lücken hin: 2024 meldeten nur einzelne DAkkS-akkreditierte Zertifizierungsstellen ihre Daten, 2025 ist die Erfassung weiterhin unvollständig. Wie stark sich die erfasste Datenbasis zwischen den Jahren verändert hat, weist die ISO nicht aus. Zusätzlich wurden 2025 Daten aus UKAS CertCheck ergänzt, vor allem für Großbritannien.
- Nach unserem Abgleich entsprechen die Vergleichswerte exakt den veröffentlichten Gesamtzahlen beider Jahre – für alle Länder und Normen. Neu erfasste Zertifikate erscheinen damit als Zuwachs. Bereits zum Vorjahresvergleich 2023/2024 hat die ISO ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Jahresvergleiche nicht streng gleichartig sind.
- Ein Indiz: In Deutschland steigt die Zahl der ISO-9001-Zertifikate um 14,0 Prozent, die Zahl der erfassten Standorte sinkt jedoch um 29,5 Prozent. Das spricht eher für Effekte der Datenerfassung als für eine reale Marktbewegung.
- Unsere Einordnung: Die Zahlen zeigen eine Richtung, aber keine exakte Wachstumsrate. Die ISO weist selbst darauf hin, dass die Abdeckung je Land, Branche und Norm variiert.
KI-Managementsysteme: ein Markt am Anfang
Erstmals berücksichtigt die Survey ISO/IEC 42001 für KI-Managementsysteme und ISO 37301 für Compliance-Managementsysteme. Für ISO/IEC 42001 weist sie weltweit 271 Zertifikate in 40 Ländern aus – 100 davon in den USA, 7 in Deutschland. Für ISO 37301 sind es 1.018 Zertifikate. Zum Vergleich: ISO 9001 zählt mehr als 1,6 Millionen. Für Unternehmen, die künstliche Intelligenz einsetzen, bietet ISO/IEC 42001 einen strukturierten Rahmen – der Markt für entsprechende Nachweise steht erst am Anfang.
Was die Statistik nicht zeigt
- Die Survey zählt ausschließlich akkreditierte Zertifikate. Nicht akkreditierte Zertifikate und Konformitätserklärungen nach DIN EN ISO/IEC 17050-1 sind nicht enthalten.
- Branchenaussagen sind kaum möglich: Bei rund 78 Prozent der ISO-9001-Zertifikate ist der Wirtschaftssektor nicht angegeben.
- Die Zahl der Zertifikate sagt nichts darüber aus, wie wirksam die Managementsysteme dahinter sind.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Statistiken ersetzen keine Entscheidung. Drei Fragen helfen bei der Einordnung:
- Welchen Nachweis verlangen Ihre Kunden tatsächlich? Ziehen Ihre Auftraggeber bei der Informationssicherheit nach, ist ISO/IEC 27001 häufig der nächste Schritt nach ISO 9001.
- Bringt Ihre bestehende Zertifizierung noch Mehrwert? Bei reifen Managementsystemen kann eine extern bestätigte Konformitätserklärung nach DIN EN ISO/IEC 17050-1 eine belastbare Alternative sein – vorausgesetzt, Ihre Kunden akzeptieren sie. Mehr dazu in unserem Beitrag Konformitätserklärung nach ISO/IEC 17050-1: die Alternative zum Zertifikat.
- Lassen sich mehrere Normen integriert betreiben? ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001, ISO/IEC 27001 und ISO 50001 folgen derselben Grundstruktur. Ein integriertes Managementsystem vermeidet Doppelarbeit in Dokumentation und Audits.
Veranstaltungstipp: „Zertifizierung – Quo Vadis?“
Zertifikat oder Konformitätserklärung – welcher Weg passt zu Ihrem Unternehmen? Diese Frage beleuchtet Dr. Roland Scherb – Geschäftsführer der PeRoBa®, langjähriger Lead Auditor, Autor, Trainer und Berater – im kostenfreien Online-Impulsvortrag „Zertifizierung – Quo Vadis?“ des BVMW Bayern am 23. November 2026, 10:00 bis 10:45 Uhr (Zoom). Zur Veranstaltung beim BVMW Bayern
Qualität ist eine Philosophie und unsere Leidenschaft.
Quelle: ISO Survey of Management System Standard Certifications 2025 (Stand 31.12.2025), Explanatory Note (Oktober 2026) und Ergebnistabellen, abrufbar über IAF CertSearch. Auswertung und Grafiken: PeRoBa®.
Über PeRoBa:
Die PeRoBa Unternehmensberatung GmbH ist einer der weltweit führenden Taktgeber im Bereich Qualitätsmanagement, deren Ursprung bereits in das Jahr 1991 zurückgeht. Der Firmensitz befindet sich seit 2011 in Baldham, und das Unternehmen verfügt über eine Repräsentanz in der Prinzregentenstraße in München. Die PeRoBa Unternehmensberatung berät, prüft und bewertet qualitativ hochwertig, um Kunden bei der Einführung und Umsetzung ihrer Managementsysteme zu unterstützen. Sie bietet darüber hinaus Audits, QM- Trainings, Seminare und Workshops an.
Seit Januar 2016 ist die hauseigene, innovative Software iVision® – Smart Remote Audit Solution am Markt und ergänzt unser Beratungsportfolio.
Herr Scherb ist Gründer und Geschäftsführer der nach ISO 9001 zertifizierten PeRoBa Unternehmensberatung GmbH. Er ist Auditor, Berater, Trainer, Autor und Präsident im Bundesverband der Auditoren e.V., Leiter des ISO-Kompetenzforums vom Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft – BVMW e.V. und arbeitete beim DIN im Normenausschuss NQSZ NA 147-00-07 zur neuen Revision der DIN EN ISO 19011:2025 mit; sowie Trainer und Dozent bei renommierten Bildungsträgern zum Thema Managementsystemen und entsprechenden Core-Methoden.
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