DIS 9001-2026
ISO 9001:2025 (DIS) – was Unternehmen jetzt wirklich wissen sollten
Mit dem Draft International Standard (DIS) der ISO 9001:2025 liegt erstmals eine weitgehend abgeschlossene Vorabversion der nächsten Revision der weltweit meistverbreiteten Qualitätsmanagementnorm vor. Die Veröffentlichung des finalen Standards wird für das Spätsommerhalbjahr 2026 erwartet. Bereits jetzt zeigt sich jedoch deutlich: Die ISO 9001:2026 steht weniger für einen Neuanfang als für eine vorsichtige Evolution des Bestehenden.
Unternehmen, die aktuell nach ISO 9001:2015 zertifiziert sind, müssen sich nach jetzigem Kenntnisstand weder auf grundlegende strukturelle Änderungen noch auf völlig neue Pflichtanforderungen einstellen. Vielmehr liegt der Schwerpunkt der Überarbeitung auf redaktionellen Anpassungen, ergänzenden Erläuterungen und einem deutlich erweiterten Leitfaden.
Ein zentraler Befund des Entwurfs ist die weitgehende Stabilität der normativen Anforderungen. Die Kapitel 4 bis 10, die den verbindlichen Kern der Norm bilden, wurden nur minimalst verändert. Neue Themen wie Nachhaltigkeit, künstliche Intelligenz, Cybersecurity oder „Qualität 4.0“, über die im Vorfeld vielfach spekuliert wurde, finden sich nicht als verbindliche Anforderungen wieder.
Diese Aspekte tauchen – wenn überhaupt – lediglich am Rande in erläuternden Texten oder im neuen Anhang A auf und haben keinen prüf- oder zertifizierungs-relevanten Charakter.
Der neu eingeführte Anhang A nimmt einen erheblichen Umfang ein und erweitert die Norm um zahlreiche Hinweise, Kommentare und Beispiele. Dabei handelt es sich ausdrücklich um unverbindliche Leitlinien. Für Organisationen bedeutet das: Diese Inhalte können zur Interpretationshilfe genutzt werden, sie dürfen jedoch weder als zusätzliche Anforderungen verstanden noch von Auditoren eingefordert werden.
Der Prozessansatz, seit vielen Jahren ein zentrales Element der ISO 9001, wird im DIS erneut grafisch dargestellt. Zwar wurde die Visualisierung der Prozesslogik leicht überarbeitet, eine wirklich klare, durchgängige Erklärung bleibt jedoch weiterhin aus. Insbesondere die Verknüpfung zwischen Prozessmanagement, Leistungsbewertung und Verbesserung im Sinne des PDCA-Zyklus bleibt auch in der neuen Fassung unvollständig. Es fehlt weiterhin eine Definition der Chancen; Risiken sind in Kapitel 3 der Norm aufgeführt.
In den Kapiteln zur Leistungsbewertung und Verbesserung fehlt nach wie vor die konsequente Rückbindung an die in Kapitel 4 definierten Prozesse.
Überraschend ist die Behandlung des risikobasierten Denkens. Der entsprechende Abschnitt wurde aus der Einleitung entfernt und vollständig in den neuen Anhang A verlagert. Inhaltlich führt dies aus unserer Sicht nicht zu einer stärkeren Klarheit oder besseren Anwendbarkeit. Der zusätzlich verwendete Begriff des „chance-based thinking“ ersetzt keine systematische Methodik und dürfte in der Praxis eher zu weiteren Interpretationsfragen führen.
Neu aufgenommen wurden Formulierungen zu Qualitätskultur und ethischem Verhalten in der Führung. Diese Ergänzungen unterstreichen zwar die Bedeutung von Haltung und Vorbildfunktion des Top-Managements, bleiben jedoch bewusst allgemein. Für die praktische Auditierung stellen sie eine Herausforderung dar, da objektive Kriterien zur Bewertung solcher Aspekte kaum definiert sind.
Kritisch aus unserer Sicht zu betrachten ist die Abwertung der Rechenschaftspflicht der obersten Leitung von Punkt a) in der Version 2015 durch die Verlagerung auf den nun letzten Aufzählungspunkt k).
Ebenfalls kritisch zu betrachten ist eine Änderung im Kapitel zu internen Audits. Der bisher explizit formulierte Zweck, die Konformität des Qualitätsmanagementsystems mit der Norm und den eigenen Anforderungen zu überprüfen, wurde anders formuliert und könnte nachteilig interpretiert werden. Sollte diese Formulierung in der finalen Fassung bestehen bleiben, ist mit erhöhtem Interpretationsbedarf in der Auditpraxis zu rechnen.
Insgesamt zeigt der DIS der ISO 9001:2025 ein vertrautes Bild. Die Norm bleibt ihrem grundlegenden Ansatz treu und verzichtet bewusst auf modische Schlagworte oder technologische Versprechen. Für Unternehmen bedeutet das vor allem Planungssicherheit. Ein funktionierendes, prozessorientiertes Qualitätsmanagementsystem, klare Ziele, geeignete Kennzahlen und ein wirksamer Verbesserungsprozess bleiben auch künftig die entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Die kommende Revision sollte daher weniger als Anlass für hektische Systemanpassungen, sondern vielmehr als Gelegenheit zur nüchternen Reflexion genutzt werden: Wie wirksam ist das eigene QM-System tatsächlich – unabhängig von der nächsten Normausgabe?
Für Interessierte bieten wir eine detaillierte Übersicht der wichtigsten Änderungen mit praktischen Beispielen über folgenden Vortrag an: Die DIS ISO 9001:2026 – PeRoBa® Unternehmensberatung GmbH.
Über PeRoBa:
Die PeRoBa Unternehmensberatung GmbH ist einer der weltweit führenden Taktgeber im Bereich Qualitätsmanagement, deren Ursprung bereits in das Jahr 1991 zurückgeht. Der Firmensitz befindet sich seit 2011 in Baldham, und das Unternehmen verfügt über eine Repräsentanz in der Prinzregentenstraße in München. Die PeRoBa Unternehmensberatung berät, prüft und bewertet qualitativ hochwertig, um Kunden bei der Einführung und Umsetzung ihrer Managementsysteme zu unterstützen. Sie bietet darüber hinaus Audits, QM- Trainings, Seminare und Workshops an.
Seit Januar 2016 ist die hauseigene, innovative Software iVision® – Smart Remote Audit Solution am Markt und ergänzt unser Beratungsportfolio.
Herr Scherb ist Gründer und Geschäftsführer der nach ISO 9001 zertifizierten PeRoBa Unternehmensberatung GmbH. Er ist Auditor, Berater, Trainer, Autor und Präsident im Bundesverband der Auditoren e.V., Leiter des ISO-Kompetenzforums vom Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft – BVMW e.V. und arbeitete beim DIN im Normenausschuss NQSZ NA 147-00-07 zur neuen Revision der DIN EN ISO 19011:2025 mit; sowie Trainer und Dozent bei renommierten Bildungsträgern zum Thema Managementsystemen und entsprechenden Core-Methoden.
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